Förderkonzept "Soziales Lernen" der VS Auffach

Die Entscheidung für diesen Arbeitsschwerpunkt liegt zweifelsohne darin begründet, dass die Veränderungen in der Gesellschaft, die die Sozialisationsbedingungen von Kindern und Jugendlichen nachhaltig beeinflusst haben, auch im ländlichen Raum mit einer zeitlichen Verzögerung zu den städtischen Regionen auf die Schule verstärkt einwirken. Eltern ziehen sich zunehmend aus der Verpflichtung zur Erziehung zurück, sind verunsichert, weil allgemein anerkannte Werte und Normen nicht mehr als Orientierungshilfe zur Verfügung stehen. Fernsehen, Gameboy, Computer,... treten immer häufiger an die Stelle authentischer Natur- und Lebenserfahrung und schränken die Kommunikation in der Familie ein. Die Sprache wird folglich in einer steigenden Zahl von Familien immer weniger als Mittel der Verständigung und des Ausdrucks von Gefühlen und Befindlichkeiten genutzt. Sprachkompetenz geht vielen Eltern verloren und kann sich bei Kindern nicht oder nur unzureichend entwickeln. Die intensive Diskussion im Lehrerkollegium führte zu folgenden grundsätzlichen Entscheidungen:

Regelmäßige pädagogische Besprechungen (aktuelle Fallbeispiele werden klassen-/ schulintern besprochen)

Regelmäßige Fortbildung des Kollegiums (z.B. Schuljahr 2009/10: EIGENSTÄNDIG WERDEN- 5teiliger Kurs)

Individuelle Förderpläne (gemäß der täglichen Verhaltens- und Leistungsbeobachtungen durch den Klassenlehrer)

Besondere Förderung im Sprachheilunterricht, im integrativen Förderunterricht, durch eine eigene Lehrperson (bei besonderen Auffälligkeiten), durch Projektunterricht und unverbindliche Übungen!

Grundsätzlich geht es bei der Förderung der Schüler darum, die breite pädagogische Palette von "spielerischem Lernen", "offenem Lernen", "projektorientiertem Lernen", "entdeckendem Lernen", "informierendem Lernen" und von "wiederholendem und übendem Lernen" anzubieten, wobei die Freundlichkeit, der Humor und die Achtsamkeit an unserer Schule groß geschrieben werden.

Das soziale Lernen als Unterrichtsprinzip fließt in alle Gegenstände ein. Die Schüler sollen die eigene Wandlungsfähigkeit und die der Mitschüler sowie die Veränderbarkeit der Umwelt erfahren lernen. Ihnen soll im Laufe der vier Volksschuljahre die Möglichkeit des demokratischen Handelns eröffnet werden. Die Förderung liegt dabei verstärkt beim sozialen Verhalten, in der Friedenserziehung, im Umweltschutz und im weitesten Sinne auch im Konsumverhalten. So gesehen ist das soziale Lernen in der Volksschulzeit eine wichtige inhaltliche Vorstufe zur "Politischen Bildung" in den Folgeschulen.

Konkrete Schwerpunkte zur Förderung des sozialen Lernens:

  • Soziales lernen in der Schuleingangsphase
  • Pausengestaltung: Bewegte Pause
  • Projekt "Kultur taleinwärts" bzw. Projektwoche "Rundum Xund"
  • Religionsunterricht, Krippenspiele, Erstkommunion,...

 


Soziales Lernen- Schuleingangsphase:

  • SCHULBEGINN: Schul- und Klassenregeln festlegen, auf Einhaltung der Regeln achten, gemeinsames Feiern (Advent, Geburtstage,...)
  • Pausengestaltung: ESSPAUSE::BEWEGTE PAUSE
  • Lehrer als Vorbild (Werteerziehung)
  • Regelmäßige Auflockerungsübungen während des Unterrichts (=tägliche Turnübungen)
  • Gute Beziehung ELTERN-LEHRER-SCHÜLER aufbauen und ausbauen
  • Spiele (besonders im Förderunterricht) einsetzen
  • Partner- und Gruppenarbeit
  • Gute Schüler helfen schwächeren Mitschülern
  • Unterrichtsstörungen und Verhaltensauffälligkeiten beobachten und bearbeiten
  • Überforderung vermeiden!


                     

Soziales Lernen in der Bewegungspause               

Mit Beginn des Schuljahres 2008/09 wurden an unserer Schule die Unterrichtszeiten verändert und eine Bewegungspause eingeführt. Nach der dritten Unterrichtsstunde treffen sich alle Schüler und Lehrpersonen meist im Freien, auf dem Platz hinter dem Schulhaus. Einige Regeln müssen zur Gewährleistung der Sicherheit für alle gelten. Die Anwesenheit der Lehrpersonen signalisiert, dass die Regeln auch beachtet werden müssen. Die Wahl der Bewegung soll aber von jedem Kind möglichst frei getroffen werden. Natürlich gibt es nur begrenzte Möglichkeiten, da der Platz nicht besonders groß ist und auch nur wenige Geräte und Materialien zur Verfügung stehen.

Soziales Lernen wird erfahren, jedes Kind erlebt sich als Teil der Schulgemeinschaft und tritt in sozialen Kontakt mit den anderen. Richtiges, gemeinschaftsförderndes Verhalten sollen sich die Kinder im Spiel und durch eigene Erfahrung angewöhnen, als notwendig und selbstverständlich verstehen und annehmen!

Einige Lerninhalte und Ziele seien hier genannt:

  • Jeder darf mit allen anderen, das heißt nicht nur mit den Klassenkameraden diese Pause verbringen.
  • Jeder darf sich einbringen, so wie er ist, mit seinen Fähigkeiten, Vorlieben und Abneigungen, mit seinen ganz individuellen Charaktereigenschaften.
  • Jeder darf seine Bedürfnisse spüren und sie im Umgang mit den anderen geltend machen.Der Umgang soll allerdings friedlich, rücksichtsvoll und fröhlich sein.
  • Sprache, Gestik und Mimik soll man positiv einsetzen, sich verständlich mitteilen und sich bemühen, andere zu verstehen.
  • Man kann durch aufmerksames Beobachten Gleichgesinnte entdecken und kennen lernen, eigene Ideen freundlich und einladend anbringen und so neue Freundschaften knüpfen.
  • Keiner soll sich von anderen an den Rand drängen lassen, auch wenn er sich im Getümmel unwohl fühlt. Es gibt auch ruhigere Stationen!
  • Jeder soll merken, wenn das eigene Verhalten von anderen negativ erlebt wird. So kann jeder lernen, dass Vordrängen, Rücksichtslosigkeit, Unhöflichkeit und aggressives Verhalten die Gemeinschaft stören, ja ein fröhliches Spiel unmöglich macht.
  • Jeder fühlt sich wohl, wenn andere gerne mit ihm spielen.
  • Kinder, die ein gutes Gespür für Benachteiligte haben, sollten dazu angehalten werden, sich ein wenig um Schwächere zu kümmern.
  • Die Kinder sollen auch lernen, mit Konfliktsituationen richtig umzugehen und einen Streit möglichst sachlich zu bewältigen.

Die Lehrer besuchten zu diesem Thema zwei schulinterne Fortbildungen mit Manfred Wimmer, die sehr hilfreich waren:

Bewegte Schule / bewegte Pause

Bewegtes Lernen- bewegtes Denken

WICHTIGER HINWEIS: ORDNUNG HALTEN (Spielsachen und bewegliche geräte müssen nach gebrauch von den Kindern verlässlich aufgeräumt werden, um am nächsten Tag griffbereit zur Verfügung zu stehen!!!

Zu diesem Thema gab es außerdem einige pädagogische Konferenzen!


Soziales Lernen bei Projekten:

  • Schullogo
  • Rundum Xund

Wunderbar lässt sich gerade bei Projekten ein sozialer Aspekt gut einbauen. Ein Projekt ist immer ein Miteinander, bei dem sich aber jeder einzeln mit seinen Fähigkeiten einbringen kann.

Bei unserer Projektwoche war das soziale Lernen eine der drei Säulen (Bewegung, gesunde Ernährung, soziales Lernen)!


Religiöse Erziehung:

Unsere Schule besuchen eigentlich und überwiegend nur katholische Schüler, daher wird der katholische Religionsunterricht in allen Jahrgängen mit zwei Wochenstunden erteilt. Die Schüler/innen sollen die christliche Botschaft aus dem Alten und dem Neuen Testament erfahren. Der Religionsunterricht nimmt den Bildungsauftrag der religiösen Erziehung wahr und ist der Glaubenslehre der katholischen Kirche verplichtet.

Es ist uns ein großes Anliegen, die Schüler/innen zu verantwortlichem Denken und Handeln im Hinblick auf Religion und Glauben zu befähigen. Der christliche Gedanke soll bei regelmäßigen Schülergottesdiensten nach außen getragen werden. Die Gestaltung dieser Gottesdienste übernehmen zu einem großen Teil die Schüler selbst (angeleitet, unterstützt und vorbereitet von den Lehrerinnen).

Die Schüler/innen der zweiten Klasse bereiten sich auf ihre Erstkommunion vor. Die gesamte Schule begleitet die Kinder in dieser wichtigen Phase. Die vielen kleinen und großen Aufgaben, welche erst zu einem Gelingen der Erstkommunion beitragen und diese Feier zu einem besonderen Ereignis machen, werden von einzelnen Klassen, Eltern und Lehrern übernommen, und so ist das Fest der Kommunion kein isoliertes Geschehen, welches nur von den Zweitklasslern erlebt wird, sondern ein wahres Fest der lebendigen Schulgemeinschaft.

Ähnlich verhält es sich mit anderen kirchlichen Festen, bei denen Schüler/innen angeregt werden teilzunehmen. Auch die Lehrer geben ihnen dabei ein Vorbild.

Im Advent bemühen sich die Kinder, den Blick auf andere Menschen zu richten, indem sie sich bewusst Zeit nehmen. Dazu gehört das jährlich stattfindende Krippenspiel, das so manche vorweihnachtliche Veranstaltung bereichert und so das Geschenk in Bethlehem lebendig macht.


Schlussbemerkung:

Abschließend sei erwähnt, dass die Lehrer der VS Auffach darauf bedacht sind, die Schüler gemäß den im österreichischen Schulwesen definierten Unterrichtsgrundsätzen zu unterrichten, zu erziehen, sie in ihrer Lernbereitschaft zu fordern und ihre Defizite, aber auch Begabungen zu fördern, wobei wir uns bewusst sind, dass es Bereiche gibt, auf die wir keinen oder wenig Einfluss haben.

Dies betrifft im Besonderen die Herkunft, den Erziehungsstil der Eltern, die kulturelle Prägung des Kindes, seinen Charakter und seine Veranlagungen sowie seine persönliche Freiheit, die wir würdevoll respektieren.

Im Hinblick auf die "individuelle Förderung" fällt auf, dass wir in den vergangenen Jahren - auf Grund veränderter sozialer Bedingungen und dadurch mangelnder Erziehungsarbeit im Elternhaus- IN EINZELFÄLLEN vermehrt "kompensatorische Förderung" übernommen haben. Da das Ausgleichen von Erziehungsdefiziten ein langwieriges Unterfangen ist, nimmt diese Arbeit bedauerlicherweise viel von der Unterrichtszeit.

Dennoch ist dieses mühsame Erlernen, Einüben und Fördern von Kontaktfähigkeit, Kommunikationsbereitschaft, sozial angemessenen Begegnungsformen und Ordnungsprinzipen im Schulgesetz verankert und gehört neben "Unterricht und Bildung" zu den verpflichtenden Erziehungsaufgaben eines Pädagogen.